Meyer, Andreas: Nietzsche und Dionysos

Eine Suche nach den Quellen des Lebens – Die Dionysos-Mysterien

 

Wenige Denker nur üben eine so ungebrochene Faszination auf die sogenannte Nachwelt aus wie Friedrich Nietzsche, der „Philosoph mit dem Hammer“, der Wagner-Freund und -Gegner, der Sprachvirtuose, der „Einsiedler von Sils-Maria“, der Extremist und Experimentator des Geistes, der schließlich im Januar 1889 in Turin zusammenbricht und weinend ein Pferd umarmt. Der ein schauriges Schicksal erleidet, hineingetrieben oder -gerissen in den Wahnsinn (von wem? wodurch?).

Nietzsche ist immer eine Herausforderung. Wer sich auf ihn einlässt, kommt nicht ungeschoren davon. Nur wer sich der Glut seines Denkens wirklich öffnet (und das ist nicht möglich, ohne sich verwunden zu lassen), „hat etwas davon“, um es alltagssprachlich zu fassen. Das bedeutet keineswegs, dass man ihm zustimmen muss, ob nun partiell oder in Gänze. Aber Blessuren erleidet jeder bei intensiver und „mitsinniger“ Lektüre.

 

zu Andreas Meyer

 

IL-Verlag 2014

Hardcover 190 S.

ISBN-13 978-3-906240-13-8

 

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Kurzrezension von Heidemarie Langer M.A.

Das Buch „Nietzsche und Dionysos“ von Andreas Meyer ist eine wahre Fundgrube, um die Philosophie von Nietzsche kennenzulernen, Vielfältiges zum Wesen und Mythos des Dionysos und seinen Wirkungsgeschichten – nicht nur bei Nietzsche.

In den Ausführungen des Autors sind mir vor allem zahlreiche Hinweise auf Quellen der Mysterien aufgefallen, die Nietzsche und ebenso anthroposophische Philosophie beeinflussten. Der Autor versteht es, sich im Lesen eigenen Lebensfragen zu stellen und vermag es, die Neugier zu wecken, sich selbst auf den Weg zu Quellen im Lebenssinn weiter vorzuwagen.

 

Heidemarie Langer M.A.

Beraterin, Therapeutin und Theologin in freier Praxis, Hamburg.

Rezension von Prof. Dr. Wagemann, Alanus University of Arts and Social Sciences

Meyers Buch baut auf eine tiefgründige und prägnante, auch über Nietzsche hinausgehende Charakterisierung des Dionysischen und des Apollinischen Prinzips, welche deren komplementäre Bezogenheit aufeinander verdeutlicht und damit ihre anthropologische Dimension andeutet. Vor diesem Hintergrund wird sowohl Nietzsches intellektuelle als auch seine existenziell-biografische Entwicklung anschaulich geschildert und die Spannung herausgearbeitet, die aus Nietzsches immer stärkerer Identifikation mit Dionysos resultiert. Damit ergibt sich das Bild einer Entwicklung Nietzsches vom akkuraten Philologen über den genialischen Philosophen bis hin zum existenziellen Realisierer – und Erleider – seiner eigenen Lebensphilosophie. Gelungen sind auch die von Meyer hergestellten Bezüge von Nietzsches Biografie zur Analytischen Psychologie, die interessante Einblicke in Nietzsches bewusstes und unterbewusstes Denken bzw. Ahnen und Empfinden vermitteln. So erscheint Nietzsche gewissermaßen als „Vorbereiter und Vordenker einer spirituellen Höhenpsychologie“ (S. 117), der allerdings am Widerspruch seiner Zukunftsvision zu den Gegebenheiten seiner Zeit zerbrochen ist. Nietzsches unrealisiertes Potenzial wird damit zum mahnenden Symbol einer noch zu leistenden Transformation des toten, intellektuellen Denkens in eine lebendige, eben dionysische Form, die dennoch nicht des apollinischen Maßes entbehrt.

 

Prof. Dr. Johannes Wagemann

Professor für Bewusstseinsforschung
mit dem Schwerpunkt Strukturphänomenologie

Institut für philosophische und ästhetische Bildung

Fachbereich Bildungswissenschaft

Alanus University of Arts and Social Sciences

Besprechung in Info 3, Juli-August 2015

Frische Brise, Dr. Dimitris Karydas

Eine frische Brise kommt aus Andreas Meyers Buch über Nietzsche und Dionysos. Er will das Geistesereignis ‚Nietzsche‘ für uns, die seine Diagnose von Kulturverfall genauso viel, wenn nicht mehr als seine Zeitgenossen betrifft, wieder lebendig werden lassen. Meyer versucht genau die Kräfte und Ströme zu vergegenwärtigen, die seinerzeit Nietzsche zu bändigen trachtete. Es ist die im Dionysos-Mythos enthaltene Lebensenergie, aus welcher sich der Mensch Nietzsche sowie sein Werk motivierten und die sie gegen den Nihilismus der Moderne mobilisierten. Gewiss keine ungefährliche Unternehmung angesichts des abgründigen Potentials, das sowohl zum Guten wie zum Bösen im Quell des Lebens steckt. Uns dem zu stellen, ist die Herausforderung von Meyers Buch. Jobst Günthers sehr plastische Sinnbilder von mythisch-philosophischen Motiven aus Nietzsches Leben und Werk begleiten vorzüglich die Textreflexion im wunderschön zusammengestellten Band.

Dr. Dimitris Karydas, Theologische Fakultät, Humboldt Universität zu Berlin

Buchbesprechung von Bernhard Steiner im Goetheanum vom 3. Juli 2015
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Beeindruckend

Lieber Herr Meyer,

vor einer Weile haben Sie mich mit einem Buchgeschenk beehrt, das ich erst jetzt richtig würdigen kann, nachdem ich von diversen Touren wieder zurückgekommen bin: Beeindruckend, was Sie zu Nietzsche und Dionysos herausgearbeitet haben!

Ihr Buch erfüllt sowohl gelehrte Ansprüche wie auch die Interessen eines breiten Publikums. Ich werde mir erlauben, im Kommentar zu JGB 55 und zu JGB 295 jeweils darauf hinzuweisen.

Haben Sie sehr herzlichen Dank dafür!

Mit besten Grüßen und Wünschen

Ihr Andreas Urs Sommer

Prof. Dr. Andreas Urs Sommer

Nietzsche-Kommentar

Heidelberger Akademie der Wissenschaften

Deutsches Seminar II der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

KG III, Zimmer 3413

Platz der Universität 3

79085 Freiburg im Breisgau


Tiefsinniges und schönes Buch, Barbara Lampe, Heileurythmistin, Klinik Lahnstein

In dem erlebnisreichen, tiefsinnigen und schönen Buch über Nietzsches Beziehung zu Dionysos, wird bald deutlich, dass es nicht nur eine Beziehung sondern in gewisser Weise eine Wesensverschmelzung war. In der Beschäftigung mit der griechischen Philosophie und der antiken Tragödie erkennt Nietzsche sich selbst in Dionysos, dem Vielgeborenen und Vielnamigen, der den wachen Rausch als Einweihungsweg lehrt und der Erkenntnis eine Lebenskraft zuschreibt, die wir nur in der Fülle der natürlichen Schöpfung in einer so reinen und doch leidenschaftlichen Art erfahren können. Der Leidensweg von Nietzsche ist gleichzeitig seine schöpferische Kraft. In der Mitte des 19.Jahrhunderts geboren, denkt er den Zeitgeist schon in frühen Jahren selbstständig um. Meyer gelingt es, diesen Weg so zu charakterisieren, dass verständlich wird, wie der Schmerz Nietzsches eigentlich in einer tiefen Liebe zum Leben gründet und gleichzeitig gipfelt. Die gnadenlose Kritik die Nietzsche an allem bis dahin Gewordenen erprobt, verliert an der Stelle ihren Stachel, wo er Richard Wagner kennen lernt und ihm eine Hoffnung einpflanzt, dass es doch eine Kulturerneuerung geben kann.

„Ich bringe es nicht übers Herz, mich dieser Musik gegenüber kritisch zu verhalten; jede Faser, jeder Nerv zuckt an mir, und ich habe lange nicht ein solches andauerndes Gefühl von Entrücktheit gehabt als bei der letztgenannten Ouvertüre…“

(zitiert aus: Meyer, S. 47) Wie Cosima Wagner die erste Begegnung mit Nietzsche beschreibt, verwundert, wenn man seine alles zerstörende und alles neu aufbauende Schöpferkraft in seinem Werk kennen gelernt hat: “…ein ruhiger angenehmer Besuch…“ (S.47)

In den vielen Zitaten und Querbezügen zu den Geistern seiner Zeit, lässt Meyer diese große Persönlichkeit so lebendig werden, dass ein Gefühl für die Zerrissenheit und gleichzeitige Vollkommenheit möglich wird, dass nicht nur ein Wissen über seine geistige Umnachtung am Ende seines Lebens bleibt, sondern ein tiefes Verständnis dafür, dass er für seine geistige Fülle im Geborensein und in seiner Zeit keinen Raum hat finden können.

Die gewissenhafte und mit tiefer Empathie und Achtsamkeit durchgeführte Forschung eines so komplexen und rätselhaften Lebens zeigt Meyer `s Verbundenheit mit Nietzsche und Dionysos und gibt dem Buch einen menschlichen Wert, der berühren kann.

Mir kam es in den Sinn, dass nun, nach der literaturwissenschaftlichen Ausarbeitung, noch ein künstlerisches Epos folgen müsste. Der Bilderzyklus am Ende des Buches von Jobst Günther gibt dann auch das Timbre zu dem dazu, was in Worten kaum zu sagen ist.

“Das Verständliche an der Sprache ist nicht das Wort selber, sondern der Ton, die Stärke, Modulation, Tempo mit denen eine Reihe von Worten gesprochen werden – kurz die Musik hinter den Worten, die Leidenschaft hinter dieser Musik, die Person hinter dieser Leidenschaft: alles das also, was nicht geschrieben werden kann.“

Mit diesen Worten von Nietzsche beginnt das Vorwort. Der Autor besitzt viel von der Fähigkeit die Worte für den Sinn durchlässig zu machen, ihnen Wärme, Lebendigkeit und Kraft zu verleihen, doch hier verlangt es nach einer anderen literarischen Form, um den lavaartigen Lebensstrom dieses Themas aus den historischen Tatsachen heraus zu schälen und in eine Form zu schmieden.

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