Brack, Bernhard: Liebe, Lust und Langezeit

Gedichte

(mit Illustrationen: 5 Bilder von Marc Chagall)

 

Kann sich die Liebe am Ideal des "Hohelied der Liebe" messen? Das lyrische Ich weiß um die Herausforderung. Aus vier unterschiedlichen Blickpunkten - Tausendundeine Nacht / Teilen wir; Mich schnell und schneller / Laufen lassen zu dir; Flamme und / Beißender Rauch; Schön bist du Geliebte - beleuchtet es seine Annäherungen an das hehre Ziel.
Die Sammlung enthält 110 Gedichte, die die Liebe auch als existenzielle Erfahrung des Lebens umkreisen.

 

zu Bernhard Brack

 

IL-Verlag, März 2021

Hardcover ca. 140 S.

ISBN: 978-3-907237-32-8

 

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Bernhard Brack in der Galeria Spada Basilea, 11. Sept. 2021

Es o es l'amor?

Si senòr

Hilfe, ist das Liebe?

Ja doch!

 

Vor einem kleinen, aber begeisterten Publikum präsentierte Bernhard Brack begleitet durch passende Klaviermusik seine tiefsinnigen, mit subtilem Humor ausgestatteten und pralle Lebensfreude ausstrahlenden Liebes Gedichte. 

Ein voller Erfolg, der ein viel größeres Publikum verdient. Aber wie bei seinen Gedichten gilt: Qualität kommt vor Quantität. Ein kleines kulturelles Ereignis mit großer seelischer Ausstrahlung. Vielen Dank, lieber Bernhard Brack!

 

Porträt über Bernhard Brack, TrouvAmour

St. Galler Tagblatt, 30. Juni 2021 von Bettina Kugler

 AUF EINEN KAFFEE MIT ...

«Über Liebe zu reden, ist immer noch tabu»: Der St.Galler Sozialarbeiter Bernhard Brack schreibt dennoch erotische Gedichte

 

In seinem beruflichen Alltag geht es oft um Insolvenz, Einsamkeit, schwierige Lebenssituationen — umso kostbarer ist für Bernhard Brack die sinnliche Paarbeziehung und das Schreiben darüber.

Damit an die Öffentlichkeit zu gehen, macht ihm aber auch Angst.

Bettina Kugler

Den Espresso in der kleinen doppelwandigen Glastasse lässt Bernhard Brack lange unberührt vor sich stehen. Stattdessen holt er von nebenan einen Bowler, schlüpft in den schwarzen Frack — und bietet eines der aufgerollten Zettelchen in dessen Innentaschen zur Auswahl an: Liebesgedichte von Hilde Domin, Pablo Neruda und anderen. So also sieht er aus, der «TrouvAmour», den der St.Galler Sozialarbeiter, Traumsammler und Geschichtenerzähler demnächst verkörpern wird. Mit dieser Figur will er die Menschen zum Reden und Nachdenken bringen über das Schönste und Tiefste, was sie miteinander teilen: die Liebe.

«Danach sehnen wir uns doch alle», sagt er, «Menschen möchten geliebt und anerkannt werden.» Dafür Worte zu finden, auch nur einfache, ungereimte, frei von Kitsch und Klischees, ist nicht leicht. «Erinnern Sie sich an diese Tassen und Sticker, die es früher gab, in den l970er- oder l980er-Jahren? Die mit dem Cartoon-Pärchen, ‹Liebe ist ...›?». Einerseits hat sich Bernhard Brack schon damals über die niedlich oberflächlichen Sprüche geärgert.

«Andererseits brachten sie immerhin die liebe ins Gespräch, und ich habe mich ernsthaft gefragt: Was ist denn meine Sprache für liebe? Habe ich eigene Bilder, finde ich den richtigen Ton?»

 

Hin- und Hergabe ohne verschämte Verhüllung

 

Gefallen hat ihm immer schon die Sprache des biblischen Hoheliedes, deren Sinnlichkeit, die direkte Ansprache der Geliebten. Die erotische «Hin- und Hergabe» wird in seinen eigenen Texten oft sehr konkret benannt; der

Sprechende in den Gedichten bezeichnet sich etwa als

«Porendiener». Er verhüllt sich nicht schamhaft in hehren Bildern, ist körperlich sehr präsent.

Ferienerinnerungen, innige Stunden als Paar werden

wach in Zeilen wie diesen:

 

Luv und Lee streite ich

Durch versandefe Meere

Finde Muscheln die

In uns weiter rausche

Früher ging er nie ohne einen neuen Lyrikband aus der Buchhandlung.

 

In Gedichte hat sich Brack früh verliebt, und diese Leidenschaft ist mit den Jahren so gereift wie die zu seiner Frau. Ihr hat er den jetzt erschienenen Band «Liebe, Lust und Langezeit» gewidmet, eine Sammlung von mehr als hundert Texten, die in den letzten drei Jahrzehnten entstanden sind - meist in der Dachkammer - , wo auch seine lyrische Bibliothek steht: Bücher von Ingeborg Bachmann und Said, von Gioconda Belli, Raoul Schrott, Jan Wagner. Brack blättert gern darin; es gab Zeiten, da ging er aus keiner Buchhandlung, ohne einen Lyrikband zu kaufen. Er sagt: 

 

«Es gibt Dichter, die sind pure Inspiration; mit ihnen trete ich nicht in einen stillen Konkurrenzkampf. Aber sie öffnen weite Räume in mir, bringen etwas zum Klingen.»

Bernhard Brack: Liebe, Lust und Langezeit. Gedichte. IL Verlag Basel 2021, 134 Seiten.


Bernhard Brack in seiner Schreibkammer unter dem Dach: Hier hat er neben Lyrikbänden auch seine gesammelten Notizbücher griffbereit. Bild: Kevin Roth

Diese Erfahrung macht er auch in seinem beruflichen Alltag als Leiter der Sozialen Dienste der katholischen Cityseelsorge, bei Beratungsgesprächen mit Menschen in schwierigen Situationen. Hin und wieder schreibt er die Geschichten auf, die seine «Klienten» bei ihm abladen, um sie ablegen zu können: Aus diesen Texten entstand 2018 «Das Buch der Brüche». Oft liest Bernhard Brack am Ende eines solchen Gesprächs ein Gedicht und staunt, wenn darin etwas von dem Menschen nachhallt, der ihm gerade noch gegenübersass. «Das spüren die Leute, mit denen ich zu tun habe, sicher auch», sagt er. «Es ist so etwas wie eine Grundwärme, ein Raum für Ganzheit, über ihr konkretes Problem hinaus.»

 

Sex ist omnipräsent, zärtliche Worte sind eher peinlich

 

Liebe ist ... was nun eigentlich? Ein schwieriges Terrain, nicht nur sprachlich. Mag Sex auch omnipräsent sein, verkaufsträchtig, als Ware verfügbar, mag es vom Kindergarten an keine Tabus mehr geben, zugleich aber eine geschärfte Sensibilität für Missbrauch: Peinlich scheinen Erotik und Lust, die Verspieltheit der Wörter und Körper immer noch zu sein — sobald es persönlich wird. Auch Bernhard Brack war hin- und hergerissen, ob er die Gedichte veröffentlichen soll:

 

«Ich habe mich gefragt: Ist das narzisstisch? Bin ich nur eitel? Oder möchte ich mit anderen teilen, was ich als Schatz empfinde, als Schmuckstück in unserem Oberflächengewusel?»

 

Ja, als Dichter sähe er sich gern, das gibt er zu. Doch das gedruckte Buch, das in intensiver Zusammenarbeit mit einer Münchner Lektorin entstanden ist, flösst ihm nun fast ein wenig Respekt ein. In den ersten Tagen hat Brack es kaum berühren und aufschlagen wollen; Reaktionen aus seinem familiären und beruflichen Umfeld der katholischen Kirche — in der Sexualität ohnehin ein Mauerblümchendasein fristet — gab es bislang kaum. Das verunsichert ihn. Sein letztes, ebenfalls sehr persönliches Buch «So bist du gegangen, Väterchen», war ein Flop.

 

«Es ist nicht schön, wenn man vom Verleger hört, dass noch 200 Exemplare übrig sind. Man möchte ja keinen Ladenhüter schreiben.»

 

Sein Stoff jedenfalls ist kein Ladenhüter, sondern immer neu, jeden Tag anders und so bunt wie die Papierröllchen im Frack des «TrouvAmours». Wenn ein Gedicht einen Widerhall zurücklässt im Unsichtbaren, dann sei es gelungen, findet Bernhard Brack. Ein Bild hat er dabei vor Augen: die kleinen Schmuckstücke und Vasen, gefüllt mit Öl, die Toten auf ihre letzte Reise gegeben werden. So versteht er seine Silbenschmiedearbeit: als das Fertigen sprachlicher Schmuckstücke, gegen die Flüchtigkeit des Lebens und Liebens.

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Bernhard Brack: Liebe, Lust und Langezeit. Gedichte. IL Verlag Basel 2021, 134 Seiten, Fr. 24.—

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Der IL-Verlag, Basel, wird in den Jahren 2021 bis 2024 vom Bundesamt für Kultur - BAK - unterstützt.

Die folgenden Stiftungen haben die kunstvolle Erzählung unterstützt. Diese ist mit 50 subtilen, hervorragenden Farbstiftzeichnungen illustriert. 

Unterstützer: 

- Stiftung Bachofen-Henn

- Stiftung Elisabeth Jenny

- Scheidegger Thommy      Stiftung

- Münsterbauhütte

 

Die Kulturförderung der Stadt Lenzburg unterstützt die Publikation des ergreifenden historischen Romans "Im Schatten der Krone" von Dorothe Zürcher.

Die Publikation des Titels Liebe, Lust und Langezeit von Bernhard Brack wurde großzügig unterstützt durch die Stadt und den Kanton St. Gallen.

 

Die Publikation des Titels 'Kunstgeschichte. Ein kreativer Weg der Bildbetrachtung' von Luzius Zaeslin wird in verdankenswerter Weise vom Lotterie-Fonds des Kt. Basel Stadt und diversen privaten Gönnern unterstützt.