Planta, Elli von: Wessen Interessen?

Menschen, Macht und Mitwirkung

 

Elli von Planta beschreibt den Umbruch der Banken- und Arbeitswelt durch Globalisierung, Digitalisierung und die Übernahme US-amerikanischer Spielregeln und Wertvorstellungen.
Dabei geht es ihr im Wesentlichen darum, dass diesem Wandel Vertrauen und Respekt zum Opfer fielen, was mit einem tiefen Unbehagen einherging.

 

zu Elli von Planta


IL-Verlag, Juli 2020

Softcover mit Klappen, 324 S.
ISBN: 978-3-907237-22-9

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Die UBS von innen

von Ina Praetorius

Zu: Elli von Planta, Wessen Interessen? Menschen, Macht und Mitwirkung, Basel (IL Verlag) 2020

Elli Beindorff, geboren 1949, wuchs auf einem Gutshof in der Lüneburger Heide auf. Im Jahr 1971 heiratete sie einen Jüngling aus dem Hause von Planta und kam so in die Schweiz. Der Mann verließ die Familie, nachdem die Frau vier Kinder zur Welt gebracht hatte, worauf Elli an der Universität ihrer Stadt Basel ein Studium der Rechtswissenschaft aufnahm, das sie im Jahr 1992 abschloss. Im Jahr 1994, vier Jahre vor der Megafusion von Schweizerischer Bankgesellschaft und Schweizerischem Bankverein zur heutigen UBS, trat sie eine Stelle beim Bankverein an: 

„Ob ich das noch einmal machen würde, in einer Bank anheuern? … Ich war seinerzeit froh, dass mich überhaupt jemand anstellte…“ (17) 

Bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2011 blieb Elli von Planta der UBS treu, durchlebte erst den holprigen Zusammenschluss zweier grundverschiedener Unternehmenskulturen, zehn Jahre später die globale Finanzkrise, in der die UBS als „systemrelevante“ Bank vom Staat gerettet werden musste. Im Jahr 2001 ließ sie sich in die UBS-Arbeitnehmervertretung wählen. Während der Krise, von 2007 bis 2010, war sie als Präsidentin der Personalkommission tätig. In dieser Funktion vertrat sie das gesamte schweizerische Personal der Großbank, also ungefähr 20.000 Menschen, auf der Chefetage. Sie organisierte Versammlungen und redigierte die Zeitschrift für Mitarbeitende, referierte an Leadership-Kursen, führte unendliche Gespräche, arbeitete Mitwirkungsreglemente aus, setzte die Einrichtung einer Ombudsstelle durch und führte gleichzeitig ihr Privatunternehmen: Familie, Haushalt, Kinder, Enkel.  

Im Buch „Wessen Interessen?“ erzählt Elli von Planta aus ihrem Leben, vor allem von den Jahren in der Personalvertretung der UBS. Ursprünglich hätte das Buch eine soziologische Doktorarbeit zum Thema „Der Wandel der Arbeitswelt innerhalb der Bankbranche“ werden sollen. Der Doktorvater an der Universität St. Gallen war schon gefunden. Aber das Akademische ist der Gutsherrinnentochter zu eng. Sie schreibt ausgreifend, emotional, leidenschaftlich, sie trägt ihre Erfahrungen als Familienführungskraft mitten hinein in die Verantwortung für Tausende von verunsicherten Menschen, die nicht wissen, ob sie sich als homines oeconomici gebärden oder die ur-schweizerisch werthaltige Mentalität von „Treu und Glauben“ hochhalten sollen: 

„Niemand scheint sich darum zu kümmern, dass wir zuhause, in unseren Familien und in der Gesellschaft nach völlig anderen Spielregeln spielen, als völlig andere Menschen unterwegs sind, als wir dies an unseren Arbeitsplätzen, in der Wirtschaft offenbar müssen.“ (295)

Sie benennt quälende Widersprüche im „Moralzehrer Markt“ (261), amüsiert sich über die aus den USA importierte Neokultur von corporate reputationpowerpoint presentation und key performance, ist zornig auf kalte Profitmacher, liebt und lobt Schweizer Gemächlichkeit, schämt sich nicht ihres Idealismus. Sie ist mitreißend zuversichtlich, erzählt heitere Episoden, verführt die Systematikerin in mir durch wortreiche Eleganz und lässt sich ihren Glauben an die moralische Kraft der Zugehörigkeit nicht austreiben: 

„Demokratie ist das Versprechen, Konflikte ohne Gewalt zu lösen.“ (277) 

Elli von Plantas zukunftsschwangeres Buch, auch eine Hommage an ihre und meine Wahlheimat Schweiz, ist im Juli 2020 erschienen, im Sommer der Pandemie. Ich habe in diesem seltsamen Jahr viele gute Bücher gelesen und habe die Ruhe genossen, die dazu nötig war. Noch jetzt, im November, freue ich mich, wenn ich mich still und friedlich in meine Lektüre vertiefen kann. Viel Party brauche ich nicht. Aber Elli von Plantas Buch würde ich gern jetzt sofort mit einem rauschenden Fest feiern. Warum? Weil es so besonders ist, so grenzüberschreitend, ohne braves Maß, kein Roman und kein Ethiklehrbuch, kein Tagebuch und keine wissenschaftliche Abhandlung. Es ist Elli von Plantas Lebenswerk voller Gefühl, und voller Staunen über die bedrohten Wunder des Zusammenwirkens in unwirtlichen Zeiten. Ich liebe es. 

Buchbesprechung in Lichtblick, Magazin für praktizierte Individual-Psychologie

von Sieglinde Hiestand

100 Jahre Schweizer Bankpersonalverband

Interview von Dieter Biegger mit Elli von Planta

 

Wessen Interessen?

Elli Planta war von 2001-2010 Mitglied der Personalkommission der UBS und von 2007-2010 deren Präsidentin. In ihrem neuen Buch «Wessen Interessen – Menschen, Macht und Mitwirkung» beschreibt sie unter anderem, warum die Mitwirkung auch heute so wichtig ist.

 

Dieter Biegger: Elli, Du hast schon vor 10 Jahren gesagt, dass Du dieses Buch schreiben willst. Was war Deine Motivation?

Elli Planta: Mitwirkung ist mein Thema. Das hat damit zu tun, dass die Schweiz das Staatswesen der Mitwirkung ist, was hier nichts mit Klassenkampf zu tun hat. Das Konzept oder System und seine Umsetzung haben mich fasziniert, ab dem Moment, ab dem ich in Basel Jus studiert habe. Das war auch der Zeitpunkt, an dem ich zum Helvetismus konvertiert bin. Das Prinzip ist nämlich einzigartig, und die Schweizer halten dies für völlig selbstverständlich und sind sich über diese Einzigartigkeit nicht wirklich im Klaren. Ich wollte sozusagen zur Klärung beitragen.

Eigentlich hätte es kein weiteres Buch über die UBS, die Finanzkrise oder die Sozialpartnerschaft gebraucht, aber mir ist daran gelegen, weil das Prinzip von Treu und Glauben, auf dem auch die Sozialpartnerschaft beruht, Grundlage unserer Gesellschaft unserer Politik ist. Dieses Prinzip wird durch die ökonomischen Imperative mehr und mehr unterlaufen.

DB: An dem Buch hast Du geschrieben, seit Du die UBS 2011 verlassen hast. Warum hat das so lange gedauert?

Ursprünglich sollte es eine akademische Arbeit über den Wandel in der Arbeitswelt der Banken werden. Einen Teil der Zeit habe ich damit verbracht, herauszufinden, dass ich erstens für das akademische Arbeiten nicht geeignet bin und zweitens mich der Wandel nicht so sehr interessiert hat, Mich hat vielmehr interessiert, was dieser Wandel von seriösen Kreditinstituten zur Financial Industry aus und mit den Menschen gemacht hat.

DB: Was hat’s denn mit den Menschen gemacht?

Sie waren einem Kulturwandel ausgesetzt, der den schweizerischen Bankmitarbeitenden sehr schwergefallen ist. Nach den heute herrschenden Spielregeln müssen sie ständig nachweisen, dass sie von Nutzen sind und kein Risiko darstellen – weit weg von Treu und Glauben.

DB: Deshalb der Buchtitel «Wessen Interessen»?

Es geht im Wesentlichen um Macht und Mut. Wie kommen Macht und Machtlosigkeit zustande? Wer ist mächtig oder will es sein, wer nicht und mit welchen Konsequenzen? Was macht Abhängigkeit mit und aus Menschen? Und welche Wirkung auf die Abhängigen hat das Verhalten derjenigen, von denen die Abhängigen abhängig sind? Grotesk ist doch, dass die Mächtigen ständig behaupten, gar nicht mächtig zu sein, und die Ohn-Mächtigen nicht wissen, wie viel Einfluss sie eigentlich nehmen könnten.

DB: Es traut sich nicht jeder, für seine Rechte einzustehen.

Richtig. Mut verteilt der liebe Gott offenbar in sehr kleinen Dosen, und Helden, das sind die mit dem Mut, sind meistens ein bisschen dumm, weil sie sich der Gefahr, in die sie sich begeben, oft gar nicht bewusst sind.

DB: Sind wir denn alle feige?

Soweit würde ich nicht gehen, aber wenn jeder für sich selbst einstehen würde, bräuchte es ja keine Personalvertretung. Ohne Vertretung kämen nur die Mutigen und Frechen zu ihrem Recht. Eine ANV hat eine Funktion. Und eine Funktion braucht es, damit es funktioniert. Es braucht Verbände und Personalkommissionen, die der Belegschaft als Ganzes eine Stimme geben. Definierte Ansprechpartner, Prozesse und Spielregeln gewährleisten, dass jeder weiss, woran er ist.

DB: Auf welcher Grundlage?

Inzwischen gibt es viele Gesetzte und Artikel, die Arbeitnehmerrechte schützen. Aber sie alle mussten hart erkämpft werden. Wenn z.B. ein Manager beim gemütlichen Samstags-Zmorge sitzt, ist er sich nicht bewusst, dass die 5-Tage-Woche von den Arbeitnehmern erstritten worden ist. Dann muss gesagt werden, dass in der Schweiz der Interessenausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bis 1963 ohne gesetzliche Grundlage funktioniert hat, was wohl damit zu tun hat, dass die Arbeitgeberseite früher den Bogen nie wirklich überspannte, was wiederum damit zu tun hat, dass in der Schweiz lange das Gemeinwohl von der Elite immer mitgedacht wurde. Als Grundlage für den sozialen Frieden in der Schweiz muss wohl das Friedensabkommen von 1937 gelten. In den Vorgängerbanken der UBS, ich kenne es aus dem Bankverein, hatte der Dialog des Managements mit dem Personal eine lange Tradition. Die Grundlagen der internen Mitwirkung, auf denen ich in der Finanzkrise aufbauen konnte, wurden anlässlich der Fusion von SBG und SBV gelegt. Allerdings muss gesagt sein, dass eine entsprechende Entwicklung immer nur in Krisen stattfindet.

DB: Warum nur in Krisen?

In Krisen gerät ein System bzw. die Macht unter Druck und taumelt zwischen perfektem Kalkül und totalem Kontrollverlust. Auch weil alle zuschauen. Krisen sind peinlich und wollen deshalb möglichst schnell entschärft werden. Das ist die Chance, etwas durchzubringen.

Dann war alles, was damals erreicht wurde, nicht dein Erfolg, sondern die Gunst der Stunde.

Das kann man so sagen. Denn Aktivisten und Idealisten agieren ja nicht allein. Ich habe auf den Schultern derjenigen gestanden, die während der Fusion die Grundlagen für die interne Mitwirkung geschaffen haben. Ich würde für mich in Anspruch nehmen, dass ich die Gunst der Stunde erkannt und das Maximum aus der Situation herausgeholt habe – zusammen mit allen meinen Kolleginnen und Kollegen.

DB Was würdest du den Bankmitarbeitenden heute mit auf den Weg geben wollen?

Erstens: Mitwirkung ist wichtig. Das Personal gibt ihrer Vertretung dadurch Gewicht, dass es sich an ANV-Wahlen beteiligt. Eine hohe Stimmbeteiligung ist ein Zeichen an den Arbeitgeber, dass das Personal vertreten sein will. Ausserdem sollte jeder Angestellte in einer Bank Mitglied beim Bankpersonalverband sein.

Danke für das Gespräch Elli und für die Zukunft alles Gute.

Steckbrief Elli Planta

Elli Planta, gebürtige Deutsche (1949), heiratete 1971 in die Schweiz, wo auch ihre vier Kinder zur Welt kamen. Als alleinerziehende Mutter schloss sie 1992 ein Jura-Studium an der Universität Basel ab. Berufsbegleitend absolvierte sie eine Ausbildung zur Psychologischen Beraterin am Alfred-Adler Institut in Zürich und erwarb ein MBA-Zertifikat der Universität Zürich.

Von 1994-2011 arbeitete sie bei UBS, wo sie während der Finanzkrise von 2007-2010 als Präsidentin der ANV den Mitarbeitenden eine Stimme gab.

 

Informationen zum Buch

Planta, Elli: Wessen Interessen? Menschen, Macht und Mitwirkung

Elli Planta beschreibt den Umbruch der Banken- und Arbeitswelt durch Globalisierung, Digitalisierung und die Übernahme US-amerikanischer Spielregeln und Wertvorstellungen. Dabei geht es ihr im Wesentlichen darum, dass diesem Wandel Vertrauen und Respekt zum Opfer fielen, was mit einem tiefen Unbehagen einherging.

Jetzt bestellen:

www.il-verlag.com/autoren/planta-elli-von/wessen-interessen/

Oder gewinnen Sie eins von fünf Buchexemplaren!

Der SBPV verschenkt fünf Exemplare von Elli Plantas Buch «Wessen Interessen?». Die ersten fünf Einsendungen an kommunikation@sbpv.ch (unter Angabe der der vollständigen Adresse) erhalten das Buch kostenlos zugeschickt.

Teilnahmebedingungen:

 

Der Preis kann weder umgetauscht noch bar ausbezahlt werden. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinnerinnen/Gewinner werden persönlich benachrichtigt.

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