Golijanin, Danijela: Als wäre ich ein Koffer ...

Mascha ist ein Koffer-Kind. Es gibt sie, die kleinen naiven Koffer-Kinder. Sie erkennen sich untereinander und teilen in bestimmten Situationen die gleichen Gefühle. Auf der Suche nach einem besseren Leben haben sich ihre Eltern damals entschieden, für ein paar Jahre in das Land der süßesten Schokoladen und der pünktlichsten Uhren auszuwandern, viel Geld zu verdienen und ganz schnell wieder nach Hause zurückzukehren.
Von denen, die schon länger da waren, aber auch von denen, die erst kamen, hörte man immer wieder denselben Satz: „Ich habe dort zehnmal besser gelebt als hier.“ Sie alle hatten die Wahl, zu kommen, wann sie wollten und wieder zu gehen, wann sie wollten. Die Koffer-Kinder hatten diese Wahl nicht. Mascha hatte diese Wahl nicht, sie kennt auch «das zehnmal bessere Leben», von dem alle sprechen, nicht. Mascha kennt nur das eine Leben, das Ihre. Weit weg von ihren Bergen und Tälern in einem anderen Bauernland.

 

zu Danijela Golijanin

 

IL-Verlag 2017

Softcover, 164 S.

ISBN: 978-3-906240-66-4

 

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Buchvernissage in Neuhausen am Rheinfall, 8. September 2017.

Am Freitagabend um 19:30 Uhr fanden sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher ein, um das Erscheinen des Buches von Danijela Golijanin "Als wäre ich ein Koffer" zu feiern. Umrahmt von serbischen Tänzen durch eine Kindertanzgruppe sowie serbischen und schweizerischen Volksliedern, stellte Danijela Golijanin ihr Buch vor. Dass selbst der Gemeinderat von Neuhausen an der Buchpräsentation Anteil nahm, ehrte nicht nur die Autorin und den IL-Verlag, es war das auch ein Dankeschön an die serbische Gemeinde in Neuhausen und Schaffhausen, welche durch den Verein KOLO aktiv und überaus positiv an der Gestaltung des Gemeindelebens teilnimmt.

Schaffhauser Bock, Montag, 4. Sept. 2017

Danijela Golijanin, aufgewachsen in Schaffhausen, berichtet über ihre eigene Migrationserfahrung und die Integration der Kofferkinder aus Ex-Jugoslawien. (Autor: Jurga Wüger)

Autorin Danijela Golijanin, die in Schaffhausen aufgewachsen ist, hat sich ein Herz gefasst und ihre Tagebucheinträge aus der Kindheit zu einem Roman vereint. Das Buch mit biografischer Färbung trägt den Titel «Als wäre ich ein Koffer», ist kürzlich erschienen und berichtet realitätsnah über Schicksale, Ängste, Emotionen und die schleppende Integration der sogenannten Kofferkinder aus Ex-Jugoslawien in die Schweiz.

 

Hier geht es um Mascha, die zehnjährige Protagonistin – und dieses kleine Mädchen, das ist sie selbst. Danijela Golijanin rollt ihre eigene Biografie wieder auf und baut sie mit Hilfe der Tagebücher, die beim Umzug per Zufall wieder gefunden wurden, zu einem Buch zusammen. Bilder und Gedichte runden ihre Erzählung ab und geben dem Buch einen schönen Bogen. Das Schicksal, in zwei Ländern, aber keinem richtig aufzuwachsen, passierte auch vielen anderen Kindern, die heute Secondos genannt werden.

 

Mit zehn Jahren die Heimat verlassen

 

Mascha verlässt mit zehn Jahren ihre Heimat in Ex-Jugoslawien, um in der Schweiz 1982 ein neues Leben zu beginnen. Ihre Mutter lebt seit ein paar Jahren in Zürich, mit dem Hauptziel als Gastarbeiterin soviel Geld zu verdienen, damit sie ihr eigenes Coiffeurgeschäft in Belgrad eröffnen kann. Der Vater verlässt die Familie, wohnt in der Nähe der Mutter. Es kommt zu keinem Kontakt zwischen ihnen und er fragt nie nach seiner Tochter. Mascha wächst bei den Grosseltern auf, vor allem der Opa kümmert sich liebevoll um seine Prinzessin, ebnet ihr den Weg als wäre sie ein Junge und bricht mit allen Tabus der hiesigen Erziehungskultur. Für Mascha gilt die klassische Hierarchie nicht. Sie darf mit den Männern am Tisch sitzen, nach ihr wird weggeräumt, sie muss nicht abwaschen und darf sogar mit einem nach Mass geschneiderten Kleid mit dem Opa unter dem VW Käfer liegen und ihm das Werkzeug reichen.

 

Doch der Grossvater stirbt. An der Beerdigung darf sie sich von ihm nicht verabschieden. Doch Mascha gehorcht nicht und geht zum offenen Sarg, weil Opa ihr immer gesagt hat: «Es gibt nichts, was du nicht kannst und lass nie zu, dass dich irgendjemand davon überzeugt, dass du etwas nicht kannst. Du kannst alles, du musst es nur wollen und darum kämpfen.» Maschas Welt bricht zusammen, die Grossmutter sieht sich gezwungen, sie zu ihrer Mutter in die Schweiz zu schicken. Gefangen zwischen Da und Dort, beginnt für sie eine einsame und schmerzvolle Odyssee.

 

Gewohnt immer Menschen um sich zu haben, hat Mascha grosse Schwierigkeiten als Schlüsselkind ohne Freunde und mit einer Mutter, die immer arbeiten muss, und ohne die Sprache zu verstehen, einen emotionalen Anschluss zu finden. Niemand sagt ihr, wie das Hier funktioniert. «Ab jetzt bist du ganz allein», das wird Mascha allmählich bewusst. Doch immer wieder wird sie vertröstet, dass es nur für kurze Zeit sei und bald genug Geld da sei, um zurückzukehren. Irgendwann merkt sie aber, dass das ein leeres Versprechen ist. Die Mutter erkrankt, Mascha wird in ein Heim abgeschoben und muss sich wieder neu orientieren

 

Dickes Auto und Zusammenhalt

 

Wer sich für dieses Buch entscheiden wird, erfährt eine Geschichte, die viele Kinder der Gastarbeiter von damals betrifft und muss damit rechnen innerlich durchgeschüttelt zu werden. Danijela Golijanin beschreibt unverblümt den Alltag der Kinder, ihre Sorgen und Ängste, den bedingungslosen Zusammenhalt und die gegenseitige Hilfe, und klärt auf, warum viele Gastarbeiter, wenn sie ihre Ferien in der ehemaligen Heimat verbringen, immer mit einem dicken Auto vorfahren müssen und teure Markenkleider tragen.

 

Weitere wahre Geschichten publizieren

 

Die Autorin Danijela Golijanin aus Dielsdorf ist fest entschlossen, nebst dem Erstlingswerk «Als wäre ich ein Koffer» auch weitere Geschichten auf den Büchermarkt zu bringen. Nur «wahr müssen sie sein», denn Märchen seien ihr als Kind mehr als genug aufgetischt worden.

 

 

 

Autorenlesung mit Danijela Golijanin, Freitag, 8. September, um 19.30 Uhr, Vereinshaus Kolo, Langrietstrasse 98, Neuhausen. Die Lesung findet auf Serbisch und Deutsch statt. Für musikalische Umrahmung sorgen die Tanzgruppe Kolo und das Duo Lälleforelle.

 

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