Schreibtipps aus der Praxis - Archiv


Hier werden nach und nach die Schreibtipps aus der Praxis einziehen; damit sie nicht verlorengehen. Mit der Zeit entsteht hier ein interessantes Nachschlagewerk rund ums Schreiben.


Mai

„Angepasste Dialoge“

 

Ein Dialog wirkt nur dann lebendig, wenn die Stimmen der Figuren sich unterscheiden und zu ihrer Persönlichkeit, ihrem Hintergrund und ihrer Situation passen. „Angepasste Dialoge“ bedeuten genau das: Nicht jeder spricht gleich, und nicht jede Situation verlangt denselben Ton.


April

"Angepasste Sprache"

 

Deutsch ist nicht gleich Deutsch. Ein Sebastian Fitzek liest sich nicht wie ein Max Frisch oder ein Thomas Mann. Bevor ich schreibe, sollte ich mir zwei Dinge überlegen: Warum schreibe ich? Für wen schreibe ich?

Erst wenn ich diese Fragen grundlegend, gezielt beantworten kann, beginne ich meinen Text zu formulieren. Diese zwei Fragen steuern meine Schreibweise. Warum schreibe ich? Für die Schönheit der Sprache. Der Text wird sich sehr unterscheiden von einem Text, den ich zur Unterhaltung schreiben will. Schreibe ich für die Bildung oder zur Erklärung, wird mein Text wiederum vollkommen anders aussehen. 

Gleiches gilt für das Zielpublikum. Sollen vor allem junge Erwachsene mein Buch lesen, dann wird meine Sprache anders klingen, als sie das in einem Buch für Kinder macht. Als Autor muss ich in der Lage sein, meine Ausdrucksweise mannigfaltig wandeln zu lassen.

Probiere es aus. Es wird dich unterhalten.


März

„Füllwörter“

 

Viele Autoren-Neulinge machen den Fehler die Geschichte mit Füllwörter wie eigentlich, irgendwie, sozusagen zu füllen. Sie schwächen damit Texte und verlängern Sätze unnötig.

 

Prüfe beim Überarbeiten, ob der Satz auch ohne sie klar und stark klingt. Weniger ist oft mehr – klare Aussagen wirken überzeugender. Ein Füllwort ist laut Duden ein Wort mit geringem Aussagewert, das zum Verständnis des Kontextes nicht notwendig ist. Typische Beispiele sind gar, ja, also und halt.

Füllwörter sind Wörter, die keinen relevanten Beitrag zur Bedeutung des Satzes leisten. In der Regel handelt es sich dabei um Adjektive, Adverbien oder Partikel. Ferner sind sie aus grammatischer Sicht entbehrlich, das heisst: nicht erforderlich, um einen regelkonformen Satz zu bilden. Oft entstehen Füllwörter durch die unbewusste Übernahme von gesprochener Sprache in schriftsprachliche Texte.

Während Füllwörter in der gesprochenen Sprache üblich sind, führen sie in der Schriftsprache zu ineffizienten Satzgebilden, unerwünschter Umgangssprache und leseflusshemmenden Verschachtelungen. In wissenschaftlichen Texten erzeugen Füllwörter begriffliche Unschärfe, da sie entweder Distanz zur Aussage des Satzes aufbauen oder ihn um eine undeutliche Eigenschaft erweitern.


Februar

 

"Schreiben mit KI"

 

Ein Thema, welches die gesamte kreative Welt momentan ziemlich erschüttert. Musik, Kunst, Literatur ja sogar Großmutters Kochkünste sind davon betroffen. Damit du den Aufruhr nachvollziehen kannst, musst du dir immer wieder bewusst machen, was eine KI im Grunde ist: Es ist eine Suchmaschine, die gesetzten Vorgaben folgt und nach dem besten Resultat sucht. Dabei funktioniert sie binär, was bedeutet, sie unterscheidet nur zwischen "zielführend" und "nicht zielführend", weiß und schwarz. Da gibt es kein "vielleicht", kein "schön zu haben".

KI ist nicht I, sie ist nur K. Eine KI, und dabei spielt es keine Rolle, welchem Anbieter ich vertraue, sucht unter Millionen bereits geschriebener Texte die am besten zutreffenden Formulierungen und setzt diese neu zusammen. Mehr nicht. Sie kann nicht denken, sie ist nicht kreativ und vor allem ist sie nicht unlogisch. Sie lernt nicht.

Wenn ich nun also meinen Text oder auch nur meinen Plot von KI schreiben lasse, dann beruhen alle Worte auf schon geschriebenen Texten, es entsteht nichts Neues. Die Texte verlieren an Einzigartigkeit, sie verlieren an Gefühlen und Menschlichkeit. Genau das soll doch aber in einem Roman oder in einem lyrischen Text das Ziel sein. Früher wurde ich in der Schule bestraft, wenn ich beim Banknachbarn abgeschrieben habe. Nur, weil es heute ein Computerprogramm macht, soll es plötzlich erlaubt sein? Von meiner Seite her ein klares Nein. Wie stehst du zu KI in der kreativen Welt?


Januar

"Der innere Film"

 

Wenn wir lesen, sind unsere Augen auf den Text fixiert. Der Geist jedoch, die Nervenbahn hinter den Augen, folgt eigenen Regeln. Ich spreche vom Film, der durch unser virtuelles Auge erzeugt wird. Je treffender ein Text beschreibt, wie sie Situation aussieht, riecht, klingt und sich anfühlt, desto realistischer wird der Film, der im Kopf meiner Lesenden abläuft.

Als Autor bewege ich mich dabei auf einem schmalen Grat zwischen Vorgabe und Fantasie zulassen. Ein Regisseur hat keine Wahl, er muss sich für eine Textinterpretation entscheiden und sie in Bild und Ton umsetzen. Als Autor stehen mir sämtliche Türen offen. Ich kann meinen Lesenden klare Vorgaben machen, indem ich sogar Farben nenne und, beispielsweise von Figuren, eindeutige Signalemente angebe.

Mir gefällt es jedoch besser, wenn ich meinen Lesenden Hinweise gebe, Links und kleine Andeutungen, damit ihre Fantasie sich frei entfalten kann. Es ist ein Unterschied, ob mein Monster groß, kräftig, angsteinflößend und sabbernd vor mir steht, oder ob das Monster gleichzeitig violett ist, lange Haare hat und ihm die bernsteinfarbenen Krallen gefährlich von den Klauen abstehen.

Je nach Beschreibung sehe ich als Leser ein anderes Monster. Angsteinflößend ist relativ, womit jede lesende Person etwas anderes sehen kann. Das violette Monster mit den langen Haaren lässt hingegen wenig Spielraum.

Für mich als Autor ist es wichtig, den inneren Film bereits beim Schreiben zu beachten und mich bewusst zu entscheiden, wie viel Fantasie ich meinen Lesenden zumuten und zutrauen will.


Dezember

„Schreibblockade“

 

Ein Verleger sagte mal zu mir: „Schreiben Sie eine Seite pro Tag, und Ende eines Jahres haben Sie einen Roman.“ Nun ist es natürlich nicht jedermann möglich, jeden Tag schreiben zu können. Wir haben alle Verpflichtungen: Familie, Haus, Freunde, weitere Hobbies oder sei es auch nur der lästige Brotjob, der die Aufmerksamkeit vom Schreiben ablenkt.

Dennoch ist es wichtig, seine Schreibblockade zu überwinden, indem man sich ein Thema vornimmt und sich einfach zwingt, sich die eine Stunde an diesem einen Tag vor den Computer zu setzen.

Gerne vergleiche ich es mit Sport: Wenn du dich vom bequemen Sofa losreißt und die eine Stunde in den Körper investiert hast, verschwitzt nach Hause kommst und dann frisch geduscht auf deinem Sofa sitzt, wirst du merken, wie dich die Glückshormone ereilen.

So ähnlich fühlt man sich nach einer geschriebenen Seite, wenn es vorher geharzt hat.


November

„Weihnachtsgeschichte?“

 

Warum nicht mal eine Weihnachtsgeschichte schreiben und sie unter dem Weihnachtsbaum im Kreis deiner Familie, Freunde und Verwandten vorlesen. Das hat gleich mehrere positive Effekte.

  1. Du übst dich in einer kurzen Kurzgeschichte. Höchstens 1 A4 Seiten (Arial 12, 1,5pt Zeilenabstand mit Rand 3cm auf jeder Seite.
  2. Du musst dich, einschränken. Man will an Weihnachten nicht lange einer Geschichte lauschen, aber auch nicht auf sie verzichten.
  3. Du übst dich in Kürze, aber auch im Spannung erzeugen und im Vorlesen vor Publikum…
  4. Du lernst mit positiven oder kritischen Stimmen umzugehen….

 

 

Wenn du mehr schreiben willst, dann wage dich an einen Adventskalender, worin du 24 kurze Texte verpackst, die du in der Weihnachtszeit täglich vorlesen oder veröffentlichen kannst.


Oktober

„Der virtuelle Aktenschrank“

 

Beim Romanschreiben kann es passieren, dass du plötzlich nicht mehr weißt, wie eine deiner Figuren heißt, was für eine Augenfarbe sie hat, wo sie wohnt, was sie am liebsten isst oder was für spezielle Talente sie besitzt. Je größer die Zeitabstände zwischen deinen Schreibmöglichkeiten werden, desto kniffliger kann genau dieses Thema für dich werden.

Sei also vorbereitet, indem du von Anfang an eine Art „Aktenschrank“ mit Registerkarten anlegst. Pro Registerkarte skizzierst du eine Person mit ihren wichtigsten Eigenschaften. Anstelle in deinem bestimmt mehrere hundert Seiten umfassenden Manuskript hin und her zu „blättern“, kannst du einfach in deinen Aktenschrank „gehen“, das benötigte Register ziehen und hast binnen Sekunden das gewünschte Ergebnis.

Es gibt sogar spezielle Apps fürs Smartphone oder Tablet dafür. Je umfassender du also deine „Figuren-Akte“ beschriftet hast, desto mehr erhält deine Geschichte „Fleisch am Knochen“ und desto lebendiger werden deine Charaktere.

Selbstverständlich kannst du auch eine spezialisierte Autoren-Software benutzen, welche dir diesen Charakterkarten-Service gleich mitliefert.


September

 

„Cluster“

 

Meine neuen Geschichten starte ich meist mit Clustern. Aber was ist Clustern und wie funktioniert es? Clustern spricht die intuitive Seite deines Gehirns an. Du schreibst in die Mitte eines Blattes einen Begriff und horchst in dich hinein. Alles was du fühlst und was dir, ohne dich darauf zu konzentrieren, in den Sinn kommt, schreibst du kreuz und quer auf dein Blatt. Es kommt weniger auf die Struktur an, als auf das Loslassen. Clustern kann man für die ganze Geschichte, ein Kapitel oder nur für einzelne Szenen.

Das Wort Cluster steht für eine Ansammlung, einen Haufen. Und genau das entsteht auf deinem Blatt. Der Haufen beinhaltet alle Ideen, welche dir zu deiner neuen Geschichte eingefallen sind, bewusst und unbewusst. Lass dein "Bild" einige Tage liegen. Betrachte es erneut und beginne, deine Ideen zu sortieren. So kommst du allmählich zu einer ersten Struktur für deine neue Geschichte. Viel Spaß dabei.


August

„Mit der Sprache Bilder malen“

 

Du möchtest Texte verfassen, die so richtig unter die Haut gehen? Dann gehe mit deinem Text um, als würdest du einen Film drehen. Male dem Leser Bilder vor Augen. Erzähle ihm nicht, dass deine Hauptfigur gerade einen beschwerlichen Marsch durch einen Wald unternimmt, sondern zeig es ihm: Lass ihn die Erschöpfung fühlen, Hunger und Durst erleben, mit schmerzenden Füsse kämpfen oder mit der Düsterkeit des Waldes, die ihm aufs Gemüt schlägt, mysteriöse Geräusche vernehmen, die ihn so richtig erschrecken … Lass den Leser die Szene so erleben, als wäre er selbst live dabei, aber übertreib es auch nicht: Natürlich will niemand dreissig Seiten lang lesen, wie deine Hauptfigur sich durch einen Wald kämpft. Auf die richtige Dosierung kommt es an … wie meistens! Mit anderen Worten: Show, don't tell!


Juli

„Die richtigen Worte finden“

 

Ringst du verzweifelt nach den richtigen Worten, doch es will dir einfach kein passender Ausdruck einfallen? Bewunderst du die Autoren, die so richtig mit Worten und Sätzen jonglieren können und hast das Gefühl, dass alles, was du fabrizierst, sich einfach nur plump und zum Gähnen anhört? Sicher, es mag Autoren geben, denen ist diese Gabe wohl einfach in die Wiege gelegt worden, doch auch für die „Normalsterblichen“ gibt es Hilfe: Wieso nicht ein Synonymwörterbuch zu Rate ziehen? Auf dem Internet gibt es Wörterbücher wie Sand am Meer, und wer gerne etwas „Handfestes“ hat: Der gute alte Duden existiert auch immer noch. Mit der Zeit speichert das Gehirn immer mehr Wortkombinationen ab, so dass es immer leichter fällt, das richtige Wort oder den passenden Ausdruck zu finden.


Juni

„Die leere Seite“

 

Du sitzt vor einer leeren Seite und weißt nicht, worüber du schreiben sollst? Dann geht es dir so wie mir gerade. Der Juni-Tipp wäre schon längst überfällig (und den Mai haben wir beinahe vergessen …), und mir fällt irgendwie grad nichts ein. Deswegen schreibe ich einfach mal das Erstbeste, was mir so in den Sinn kommt.

Mein Blick schweift über ein Schild bei mir auf dem Schreibtisch: „Everyone wants happiness, no one wants pain. But you can`t have a rainbow without a little rain.“  Diese weisen Worte stehen da drauf. Hat irgendwie was – ob das auch für das Schreiben gilt? Irgendwie schon, finde ich.

Da fällt mir auch grad ein: Nur Druck erzeugt Diamanten. Schreiben ist Arbeit, und manchmal sogar harte Arbeit. Es geht nicht immer alles wie geschmiert. Manchmal ist es ein weiter Weg bis zum fertigen Buch. Aber vielleicht gehört zu einer guten Geschichte eben auch ein bisschen Schmerz, ein bisschen „Regen“ halt. Nur dann kann wirklich ein Regenbogen entstehen.


Mai

 

„Recherche“

 

Ob du für eine Kurzgeschichte oder für einen Roman, für ein Kinderbuch oder für ein Drehbuch, für eine Biographie oder für ein Fachbuch schreibst, etwas haben sie alle gemeinsam: Recherche. Um Recherche kommst du nicht herum. Beachte dabei die Grundregel jeder Recherche: Erst ein Inhalt, der in mehreren unterschiedlichen Quellen gleich beschrieben wird, kann als "wahr" angenommen werden. Stütze dich niemals nur auf eine Quelle ab, sondern vergleiche.

Eine Geschichte braucht natürlich vor allem Fantasie, aber wenn du über dein Wahlthema nicht recherchierst, merkt der Leser es meist nach wenigen Seiten und verliert die Leselust, weil er dir nicht mehr glaubt. Falls du etwas erfindest, das nicht sein kann, wird das jeweils sehr schnell bemerkt. Sei also gewissenhaft bei jedem Thema und investiere die Zeit zum Recherchieren. Der Leser wird es dir danken.


April

„Ganz praktisch: Datensicherung“

 

Heute mal ein praktischer Tipp, der euch aber das Leben vereinfachen kann, Nerven nicht überstrapazieren lässt und eine Hilfe für eure Ordnung sein soll.

Im digitalen Zeitalter kann immer mal wieder was irrtümlich gelöscht werden. Das kann sehr ärgerlich sein, vor allem, wenn es keine Kopie davon gibt. Daher empfehle ich euch, in gewissen zeitlichen Abständen mal den Sicherungsbutton (Ctrl+S) zu drücken. Und nach dem Schreibvorgang sich noch eine Minute oder zwei Zeit nehmen, um die Sicherung eurer Datei auf zwei verschiedenen USB Sticks oder externen Festplatten zu speichern und sie getrennt voneinander aufzubewahren. Ohne Panik verbreiten zu wollen, denkt an Diebstahl oder Brand und schon ist eure Arbeit unrettbar verloren. Das muss nicht sein… Oder: Alternativ eine Cloud wie Dropbox benützen, aber auch da würde ich immer noch eine zusätzliche Datensicherung auf einem Stick empfehlen. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig…

Als Autor oder Autorin empfehle ich euch zusätzlich ein Bankschliessfach. In diesem Schliessfach bewahre ich eine Festplatte mit meinen Originaldateien aller Bücher auf. Neue Bücher werden nach der Fertigstellung dort abgespeichert.


März

 

"Aller Anfang ist schwer"

 

Nur schon dieses Zitat allein genügt, um zu wissen, dass du mit deinen Anfangsschwierigkeiten nicht alleine bist!

«Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.»

Lernen kannst du nur, indem du etwas tust, und wenn du das Schreiben lernen möchtest, dann gibt es nur eines: Anfangen! Anstatt deine leere Seite einfach nur anzustarren, berühre die Tastatur und fülle die Seite mit Wörtern. Schreib deine Ideen auf, die dir durch den Kopf flitzen, von mir aus kreuz und quer, übereinander, untereinander, oder vielleicht auch nebeneinander.

"Aber das ergibt doch nur Stuss", denkst du jetzt vielleicht. Das Wichtigste ist, dass du dich erst mal ans Schreiben gewöhnst. Der Text ist nur ganz für dich allein, und du kannst alles wieder löschen, umändern, neu schreiben, streichen – wie auch immer. Du bist in diesem Stadium des Schreibens noch weit weg von der Veröffentlichung und kannst dich daher beruhigt aufs Üben und Ausprobieren konzentrieren. Mach einfach mal den ersten Schritt. Der zweite und dritte folgen dann schon.


Februar

„Computer oder Notizblock?“

 

Die Frage, ob Computer oder Notizblock besser sei, höre ich immer wieder mal. Und nicht etwa differenziert Altersbedingt, wie man vielleicht denken könnte. Im Endeffekt ist es völlig egal, ob du es auf einen Block, einem Bierdeckel, in dein Handy schreibst/diktierst oder es auf dem Laptop/PC erfasst. Wichtig ist einzig, dass du es so machst, wie es für dich stimmt. Ich hatte einen Schreibcoach, der meinte, es sei am besten, wenn man es mit Bleistift auf einen Block notiert. Ja warum denn das? Man könne alle Gedanken sofort wieder ausgummieren, meinte er.

Ich habe die Gabe des automatischen Schreibens. Das bedeutet: Ich schreibe mit dem Zehnfingersystem so rasch, wie ich es mit dem Bleistift nie könnte. Somit lese ich, was ich gedacht habe, erst nachdem ich es geschrieben habe. 

Beim Vorgang des automatischen Schreibens ist der Gedanke in deinem Hirn direkt mit den Fingern verbunden, so dass genau dieser Effekt geschieht. Die Gedanken sind nun mal schneller als alles. Auch Fehler dürfen geschrieben werden. Diese sollen dich nicht aufhalten. Fehler mittels Computer können meist ohne großen Aufwand korrigiert werden. 


Januar

„Ideen in unpassendem Moment“

 

Geht es Dir manchmal auch so? Du hast die zündende Idee! Endlich weißt du, wie du deinen Protagonisten aus der misslichen Lage befreien kannst, wie das Thema deiner Kurzgeschichte lauten soll, wie das Gedicht beginnt, endlich …Aber halt mal … du bist gerade unterwegs, sitzt im Auto am Steuer, putzt dir gerade die Zähne, bist beim Joggen im Wald oder liegst gar schon im Bett kurz vor dem Einschlafen ... wieso kommen die besten Ideen aber auch immer dann, wenn es am wenigsten passt und nicht dann, wenn man vor dem Computer sitzt und diese spielend leicht eintippen könnte?

Es hilft, wenn du dich vorbereitest! Sei es der kleine Block mit Stift neben dem Bett, oder das Smartphone, um im Auto oder beim Joggen kurz ein paar Worte zu diktieren. Das erleichtert und gibt Sicherheit. Es ist doch so: Nichts ist schlimmer, als wenn wir das Gefühl haben, das Beste zu verpassen. Es unwiederbringlich dem Nihilismus zu opfern oder im Dschungel der Gedanken zu verlieren, wo es nicht mehr wiedergefunden wird. Das können wir vermeiden, indem wir für diese „unpassenden Momente“ passend vorbereitet sind!


Dezember

„Steckbrief für Protagonisten“

 

Damit du den sprichwörtlichen Faden nicht verlierst, rate ich dir ein Büchlein mit den Lebensläufen deiner Protagonisten anzulegen. Diese Personenbeschreibung umfasst beispielsweise die körperlichen Merkmale wie Größe, Haar- und Augenfarbe, besondere Eigenschaften wie schräger Mundwinkel, Narbe, abstehende Ohren usw. Wo wohnt die Person und wie sieht es dort aus. Welchem Beruf geht sie nach, welches Auto fährt sie. Bei den Hauptfiguren sollte dein Steckbrief umfassender sein, als bei Nebenfiguren. Statisten, kannst du ruhig außer Acht lassen. Mit diesem Steckbrief vermeidest du es, nach einer Pause oder viele Seiten in dem Manuskript später, dich auf die Suche machen zu müssen oder gar einen Fehler in der Beschreibung deiner Figur. Stell dir vor, der Leser hat am Anfang einen großen, breitschultrigen Blonden Hünen mit blauen Augen vor sich und später wird dieselbe Person zu einem kleinen schmächtigen Burschen mit braunen Augen und dunklen Haaren.

 

Es gibt übrigens Autorensoftware, die solche Steckbriefe speichern können und dich daran erinnern, wenn du beim Schreiben von der Bio der Protagonisten abweichst.


November

 

„Alte Ideen nicht wegschmeißen“

 

Auch wenn wir heute im Zeitalter des Computers alles immer wieder bequem umschreiben können, so lohnt es sich trotzdem, alte Versionen erst mal zu behalten. Oft hat man eine Idee, die man zwar verwirft, aber später merkt man, dass sie an einer anderen Stelle reinpassen würde. Wie ärgerlich, wenn man die alte Version bereits gelöscht hat! Daher lohnt es sich, bei jedem Überarbeitungsdurchgang eine neue Version abzuspeichern, so dass man bei Bedarf auf die alten Ideen zurückgreifen kann. Keine Angst vor Datenmüll: Wenn das Buch fertig ist, sind diese alten Dateien schnell im virtuellen Mülleimer! Es empfiehlt sich ohnehin, einen Ordner „alte_versionen“ zu erstellen und alle vorgängigen Versionen erst mal dort reinpacken – so hat man immer eine saubere Übersicht und der Ordner ist dann mit einem Mausklick gelöscht. Man kann sie aber auch, wenn man sie nicht endgültig löschen möchte, auf einen Extrastick speichern und lediglich von der Computerfestplatte entfernen.


Oktober

„Der Kniff mit Kurzgeschichten“

 

Kurzgeschichten sind wirklich super. Du brauchst – anders als bei einem Roman – nicht allzu viele Erklärungen. Deine Figuren brauchen keine umständliche Einführung in die Geschichte. Du pickst dir am besten nur eine Szene, einen Moment, einen Ort, eine Zeit heraus und fängst an zu erzählen was JETZT gerade um das Geschehnis herum passiert. Ohne große Einführung und Erklärung kannst du einfach drauflosschreiben, was immer dir zu dem Thema in den Sinn kommt. 

Ok, dir fällt zu dem Thema grad nichts ein. Nicht verzagen. Lege das Thema auf Eis. Irgendwann im Halbschlaf, beim Zähneputzen, beim Frühstücken oder in der Badewanne, beim Joggen… irgendwann kommt der Titel deiner Kurzgeschichte von weit hinten nach vorne und plötzlich hast du eine Idee zur Geschichte. Dann leg los und schreib sie auf, nimm den Gedanken auf Band resp. mit Handy auf, auch wenn es keine ganzen Sätze, sondern nur Bruchstücke sind. Der Rest kommt, wenn du vor dem PC sitzt.

Nebst alledem ist eine Kurzgeschichte auch ein guter Ort dich zu prüfen, dein Können zu testen. Zu Beginn der „Übung Kurzgeschichte“, solltest du darauf achten, dass die Geschichte wirklich sehr kurz ist. Am besten nur eine Seite. Ausbauen, ausschmücken kannst du später immer noch. Je kürzer die Geschichte am Anfang also ist, desto besser.